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  • Daniel Meintz

Drohende Insolvenz erkennen und vermeiden

Unternehmen sind seit dem 01. Oktober 2020 wieder verpflichtet, im Falle einer Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen. Die bisherigen Erleichterungen bei der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, welche durch die Corona-Pandemie in eine wirtschaftliche Krise geraten sind, endeten damit am 30. September 2020. Für Unternehmen, welche aufgrund der Corona-Pandemie überschuldet, aber noch nicht zahlungsunfähig sind, ist die Insolvenzantragspflicht allerdings noch bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt.


Wie kann man eine (drohende) Insolvenz frühzeitig erkennen?


Unternehmer sollten insbesondere die Zahlen ihres Unternehmens sowie auch das Marktumfeld im Blick haben, um rechtzeitig auf etwaige Veränderungen reagieren zu können.


Gerade die Corona-Pandemie führt uns vor Augen, dass eine Krise nicht immer selbstverschuldet sein muss und auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen plötzlich und unerwartet eintreten kann. Unternehmen, welche vor der Corona-Pandemie bestens dastanden, stehen plötzlich mit dem Rücken zur Wand.


Was sollten Unternehmer konkret tun?


Grundsätzlich sollte sich der Unternehmer auf folgende Themen fokussieren:


- Businessplan: Der Businessplan sollte möglichst nicht nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit im Archiv verschwinden. Dieser sollte vielmehr in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Insbesondere sollte hierbei überprüft werden, ob das Geschäftsmodell noch trägt, welche Veränderungen im Markt zu beobachten sind und welche Geschäftsfelder evtl. neu ausgerichtet oder gar eingestellt werden müssen. Ein Unternehmen unterliegt dem ständigen Wandel (Stillstand ist der Tod).


- Ertragsplanung: Erstellen Sie rechtzeitig für das kommende Geschäftsjahr eine Ertragsplanung, um sich Ihre (ehrliche) Prognose für die Entwicklung von Umsatz und Ergebnis vor Augen zu führen. Mit einer Ertragsplanung für 2021 sollten Sie bspw. schon jetzt beginnen. Diese sollte dann im laufenden Geschäftsjahr immer wieder überprüft und angepasst werden. Insbesondere sollte in regelmäßigen Abständen ein sogenannter Soll-/ Ist-Abgleich erfolgen, also ein Vergleich Ihrer Planzahlen mit den tatsächlichen Zahlen. Sich ergebende Abweichungen sollten genauestens auf deren Ursachen überprüft werden.

- Liquiditätsplanung: Aufbauend auf der Ertragsplanung sollten Sie eine Liquiditätsplanung für das gesamte Geschäftsjahr sowie eine kurzfristige Liquiditätsplanung erstellen, welche zumeist einen Zeitraum von 13 Wochen umfasst.


- Buchhaltung: Ihre Buchhaltung sollte immer so aktuell wie möglich sein. So haben Sie immer einen guten Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben, aber auch über Ihre Forderungen und Verbindlichkeiten. Dies ermöglicht Ihnen zudem ein effektives Mahnwesen, welches heutzutage in jedem Unternehmen installiert sein sollte. Zudem verschafft es Ihnen einen Überblick über die fälligen Verbindlichkeiten, die bei der Ermittlung der Zahlungsunfähigkeit eine zentrale Rolle spielen. Zudem stellen aktuelle Zahlen eine wesentliche Voraussetzung für etwaige Kreditvergaben dar.


- Überbrückung von Liquiditätsengpässen: Sollte es zu Engpässen bei der Liquidität kommen, ist ein kurzfristiger Handlungsbedarf notwendig, welchen der Unternehmer rechtzeitig meist aber nur erkennen kann, wenn er die zuvor genannten Punkte beachtet. Liquiditätsengpässen kann hierbei z.B. mittels folgender Maßnahmen entgegnet werden:


- Ausnutzung oder Verlängerung von Zahlungszielen bei Lieferanten

- Skonto-Angebot an Kunden zwecks schnellerer Zahlung / Verlangen von Vorkassezahlungen

- Einrichtung oder Erhöhung eines Kontokorrentkredits

- Aufnahme eines (zusätzlichen) Bankkredits oder Darlehens von Gesellschaftern oder Dritten

- Stundungen von Kreditverbindlichkeiten. Lieferantenverbindlichkeiten oder sonstigen Verbindlichkeiten

- Einführung von Factoring

- Überprüfung eines sale-and-lease-back-Geschäfts in Bezug auf das bewegliche Anlagevermögen

- Und aktuell: Prüfung von Direkthilfen und KfW-Kreditprogrammen aufgrund der Corona-Pandemie sowie die Einführung oder Ausweitung von Kurzarbeit


Je besser der Unternehmer die Zahlen im Griff hat, umso früher erkennt er drohende Krisen und kann Gegensteuerungsmaßnahmen einleiten. In der Praxis werden Gegensteuerungsmaßnahmen meist zu spät eingeleitet, weil die Krise nicht rechtzeitig erkannt wurde. Dieser Umstand führt dann häufig dazu, dass sich in einem späten Krisenstadium eine Insolvenz meist kaum noch vermeiden lässt.


Wann benötigt das Unternehmen eine professionelle Beratung?

Sofern Sie aktuell einen signifikanten Liquiditätsengpass haben, sollten Sie von einem professionellen Berater überprüfen lassen, ob bereits Insolvenzantragsgründe (aktuell insbesondere die sog. Zahlungsunfähigkeit) vorliegen, aufgrund dessen Sie als Geschäftsführer einer GmbH verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag zu stellen. Es ist zu beachten, dass sich der Geschäftsführer ansonsten strafbar macht und zudem mit einer nicht unerheblichen zivilrechtlichen Haftung zu rechnen hat.


Der Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ist schneller da, als sich das mancher Unternehmer vorstellen mag. Zahlungsunfähigkeit im Sinne der Insolvenzordnung liegt dann vor, wenn das Unternehmen nicht zumindest 90 % der fälligen Verbindlichkeiten binnen eines Zeitraums von maximal 3 Wochen bedienen kann. Im Umkehrschluss heißt dies, dass die Lücke der fälligen Verbindlichkeiten, welche nicht binnen bis zu 3 Wochen geschlossen werden kann, maximal 10% betragen darf. Die fälligen Verbindlichkeiten muss das Unternehmen zudem adhoc bedienen können und zwar aus den vorhandenen liquiden Mitteln. Offene Forderungen gegenüber Kunden zählen hierzu gerade nicht.


Gerne bieten wir Ihnen einen Quick-Check für die Prüfung der Insolvenzantragsgründe an und bieten Ihnen darüber hinaus auch die Ausarbeitung und Verhandlung von Szenarien zur Bewältigung der Unternehmenskrise an.





 


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